Mittwoch, 2. November 2011

Deutsche feministische Blogs

Ich habe diesen Blog gestartet, weil ich mit deutschen feministischen Blogs unzufrieden war – hauptsächlich, da ich fast keine kannte. Sicher, letzteres könnte an mir (bzw. Google) liegen. Wer weiß, wie viele tolle Blogs es gibt, von denen ich noch nichts gehört habe? Und wenn ich erfahren würde, dass ich erleuchtende Lese-Erlebnisse aus diesem Grund verpasst habe, wäre ich traurig.

Aber zurück zu meinem ursprünglichen Plan: ich wollte einen Blog in deutscher Sprache starten, der Artikel über Themen beinhaltet und auf eine Art geschrieben ist, die mich interessiert. Meine Inspiration stellte dabei weitestgehend die US-amerikanische Blogosphere dar.
Nun gibt es etwas, das mich sehr stört, wenn ich einen feministischen Blog lese (egal, in welcher Sprache, aber meist sind es deutsche Blogs): wenn die Autorinnen, die sonst brillante Artikel zu interessanten Themen schreiben, unhöfliche, ablenkende und allgemein feindselige Kommentare nicht löschen.

Stellt euch vor, ich lese einen durchdachten Artikel, der viele neue Erkenntnisse und Denkansätze aufwirft und bin gespannt, ob diese Gedanken auch andere umtreiben. Aber sobald ich mich der Kommentarspalte zuwende, muss ich verfolgen, wie die Autorin ihren Artikel und dessen Inhalte wieder und wieder erklären muss, Aussagen abstreiten muss, die weder im Artikel standen noch impliziert wurden. Alles Dinge, die klar wären, wenn man den Artikel nicht schlampig lesen oder -meist der Fall- bösartig interpretieren würde.
Dennoch zeigen diese Bloggerinnen das Bedürfnis höflich zu sein oder sie möchten sich erklären oder ein Beispiel für andere Kommentator(inn)en setzen – ich kenne ihre Motivation nicht und da es sich nicht um meinen Blog handelt, kann ich sicherlich keine Entscheidungen über die Art der erlaubten Kommentare treffen, aber wenn ich eine solche Kommentarspalte lese, wünsche ich mir meist, die Autorin wäre strikter.
Denn für mich ist ein toller Artikel mit schrecklichen Kommentaren ein unvollständiges, unterm Strich trauriges Erlebnis.

Vielleicht liegt alles in der deutschen Mentalität begründet. Vielleicht wird man nie veröffentlicht/zu Konferenzen eingeladen, wenn man nicht auch mit Menschen diskutiert, die (internetweit) recht bekannt sind, aber dennoch Mist produzieren. Vielleicht funktioniert meine Einstellung zu Kommentaren in Deutschland nur, wenn man nicht vorhat, ein breiteres Publikum zu erreichen, das man (aus meiner Sicht) verdient hat (natürlich würde es mich freuen, wenn die Ideen, die mir so wichtig sind, gesellschaftsweit Beachtung fänden).
Es wäre wirklich schade, wenn man dumme, ja für die eigenen Leser/innen verletzende Kommentare veröffentlichen muss, um genug Aufmerksamkeit auf Inhalte ziehen zu können, die einer wichtig sind.

Wie oben angesprochen macht eine unzureichend moderierte Kommentarspalte einen Blog für mich daher weniger lesbar, wenn nicht gar unlesbar. Wahrscheinlich aus dem Grund, dass ich mich eigentlich in einer Umgebung entspannen will, die Ideen verbreitet, die ich teile. In meiner Muttersprache gehen mir die Kommentare auch näher.

Üblicherweise sind mir die Webseiten bekannt, deren Kommentare regelmäßig hasserfüllten Unsinn beinhalten (zum Beispiel jede größere Online-Zeitung). Aber wenn es sich um eine feministische Seite handelt, lese ich sie, trotz schlechter Erfahrungen, meist dennoch. Wahrscheinlich aus der unrealistischen Hoffnung heraus, dass die Autorin dem Treiben endlich ein Ende gesetzt haben wird. Denn Feminismus bedeutet für mich auch, vom Recht Gebrauch zu machen, die eigenen Grenzen durchzusetzen und es will in meinem Kopf nicht ganz zusammen, warum man fortschrittliche, emanzipierte Gedanken wälzt, aber gleichzeitig den Raum, in dem sie veröffentlicht werden, wieder der grausamen Außenwelt anheim fallen lässt. (Ich möchte hier nicht Victim Blaming betreiben. Am Anfang steht natürlich immer die Person, die einen Hasskommentar abgeschickt hat und auch diese ist alleinig für dessen Existenz verantwortlich.)
Üblicherweise, wenn man mit einer Person, die nicht einmal mit den Grundlagen vertraut ist, über feministische Themen spricht, ist es aus irgendwelchen Gründen der anderen Person erlaubt, beleidigend zu sein, während man selbst nett und höflich bleiben muss. Ich bin aber nicht bereit, mit Leuten zu diskutieren, die vielleicht, eines Tages, verstehen werden, wovon ich rede. Ich weigere mich, Sachverhalte wieder und wieder zu erklären, die man auf unzähligen Seiten im weiten weiten Netz nachlesen kann, wenn man sich denn die Mühe machen würde, sich zuerst einmal selbst zu bilden. Es ist nicht meine Pflicht, irgendjemanden zu erziehen!
Warum sollte ich Fragen beantworten, die bereits von viel geduldigeren Menschen als mir lang und breit erklärt wurden? Vor allem, wenn es sich um Fragen handelt, die ignorieren, wenn nicht gar verneinen, wie unsere Gesellschaft eigentlich funktioniert?
Es ist mir auch egal, ob die Menschen absichtlich nichts gelernt haben oder quasi aus Unachtsamkeit. Ich trage kein Schild, auf dem steht: "Ich bin Feministin, stell' mir unsinnige Fragen!".

Aus all diesen Gründen wäre ich an der Herangehensweise von anderen Blogger/inne/n interessiert (und der der Mitlesenden).
Welche Art von Kommentaren erlaubt bzw. verbietet ihr und warum? Denkt ihr, dass die Diskussionen in euren Kommentaren lesenswert sind und üblicherweise die Punkte aus dem Artikel in sinnvoller Weise erweitern? Seid ihr der Meinung, dass man, ohne "kontroverse" (sprich unerträgliche) Kommentare zu erlauben, kein größeres Publikum erreichen kann?

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